Beiträge für die öffentliche Debatte

Bürgerschaftliches Engagement ist wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber nicht immer kompatibel mit der individuellen Lebensplanung und der beruflichen Karriere. Eine forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung hat gezeigt: Viele erwerbstätige Deutsche meinen, dass sich ein ehrenamtliches Engagement nicht gut mit ihrem Beruf vereinbaren lässt. 52 Prozent der Befragten würden sich nach eigenem Bekunden gern engagieren, es fehle ihnen aber dafür der Freiraum, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten. Doch es gibt auch positive Befunde. Ein Drittel aller Befragten gibt an, dass ihr Arbeitgeber jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt und fördert, die sich ehrenamtlich engagieren bzw. engagieren möchten. Jeder fünfte Befragte erklärt, bereits durch flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit von Freistellungen unterstützt zu werden. 16 Prozent aller Berufstätigen bekommen demnach von ihrem Arbeitgeber sogar Informationen, wo und wie sie sich ehrenamtlich engagieren können.

Plakat zur Kampagne "Neue Lebensarbeitszeit – Zeit für Engagement" (Foto: Isadora Tast)
Plakat zur Kampagne "Neue Lebensarbeitszeit – Zeit für Engagement" (Foto: Isadora Tast)

Auch die Körber-Stiftung selbst trug in der Öffentlichkeit zur Motivation für Engagement bei. Mit unserer Ende 2016 gestarteten Kampagne »Neue Lebensarbeitszeit – Zeit für Engagement« wollten wir dazu anregen, die Chancen der hinzugewonnenen Lebensarbeitszeit auch für die Investition in Freiwilligenarbeit zu nutzen. Wir informierten über Anlaufstellen wie die Freiwilligenagenturen und weitere Anlaufstellen für Engagement. Für uns ist Engagement nicht zuletzt auch ein Instrument der lokalen Mitgestaltung. Bürger treten aus der Passivität, gestalten aktiv ihr Umfeld und definieren, wie es aussehen soll. Sie entscheiden, wie das Miteinander gestaltet wird, welche Werte gelebt werden und damit letztlich auch in was für einer Gesellschaft sie leben.

Welche Erwartungen gibt es für die Zukunft der Arbeit und das Leben danach? Diesen breiteren Ansatz hatten wir bereits mit unserer Umfrage »Arbeit, Rente, unversorgt?« Ende 2016 verfolgt, deren Ergebnisse 2017 vielfach diskutiert wurden. Die Deutschen, so das zentrale Ergebnis, sind beruflich wie privat erstaunlich zufrieden. Die großen eigenen Lebensentscheidungen wie Familienplanung, Bildung und Berufswahl werden grundsätzlich positiv bewertet. Und trotz der Kluft zwischen einer Wunsch-Arbeitswoche von 31,3 Stunden und der tatsächlichen Arbeitszeit von 37,6 Stunden ist die Zufriedenheit im Berufsleben hoch. 85 von 100 Deutschen sind mit ihrer aktuellen Arbeit zufrieden – Frauen wie Männer, Jüngere wie Ältere. 89 von 100 Erwerbstätigen glauben zudem, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist.

 

Zugleich wird deutlich, dass es den Wunsch nach neuen Rollenverteilungen im Familienleben gibt, dafür aber häufig praktikable Modelle und manchmal auch die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Eine gleichberechtigte Aufteilung von Familien- und Berufsleben, wie sie sich 60 Prozent der 30- bis 40-Jährigen wünschen, leben bislang gerade einmal 18 Prozent.

 

Zum grundsätzlichen Optimismus der Umfrage passt die Sorge vor dem Altwerden nicht. Hier sind sich alle über die Generationen einig: 72 von 100 Befragten fürchten sich vor körperlichen Einschränkungen, 65 von 100 vor Krankheiten wie Demenz. Aber mehr noch als etwa die Angst vor Einsamkeit drückt die Deutschen die Aussicht auf finanzielle Unsicherheit: Jeder zweite (49 Prozent) macht sich Sorgen um sein Auskommen im Alter – Frauen mehr als Männer, die 18- bis 49-Jährigen mehr als Ältere.

 

 


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