Beiträge für die öffentliche Debatte

Für Aufmerksamkeit sorgte im Mai 2017 die von uns in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel »Hamburgs digitale Hausaufgaben«, eine qualitative Untersuchung zum digitalen Bildungsstandort Hamburg. Sie lieferte differenzierte Einschätzungen und konkrete Handlungsempfehlungen von Vertretern aus Hamburger Bildungseinrichtungen, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Während die Stadt bei der technischen Ausstattung der Schulen im Bundesvergleich gut dasteht, gibt es demnach Nachholbedarf bei der Qualifizierung der Lehrkräfte, bei der Vernetzung schulischer und außerschulischer Angebote sowie vor allem beim Tempo der Umsetzung.

Es brauche ein klares politisches Bekenntnis, dass Bildung und Qualifizierung als zentraler Schlüssel zur Bewältigung des digitalen Wandels ganz oben auf die Agenda gehören, lautet eine Kernforderung der Studie. Gemeinsam mit allen relevanten Akteuren sollten verbindliche, strategische Ziele entwickelt und entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden. Nur so lasse sich die digitale Spaltung der Gesellschaft verhindern.

 

Um langfristig den Fachkräftenachwuchs zu sichern, sollten bereits Schülerinnen und Schüler sich im kreativen Umgang mit Hard- und Software erproben und ihr Interesse am Programmieren entdecken können. Damit schon in der Schule damit begonnen werden kann, plädieren die befragten Experten für eine umfassende Qualifizierungsoffensive für Lehrkräfte. Sie sprechen sich außerdem dafür aus, statt punktueller externer Fortbildungen stärkerauf eine kontinuierliche professionelle Weiterentwicklung zu setzen.

Das MINT-Nachwuchsbarometer fordert ein Update digitaler Bildung (Foto: Körber-Stiftung)
Das MINT-Nachwuchsbarometer fordert ein Update digitaler Bildung (Foto: Körber-Stiftung)

Die digitale Bildung in Deutschland war auch Schwerpunkt des MINT Nachwuchsbarometers 2017, das die Körber-Stiftung im Juni gemeinsam mit der Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in Berlin präsentiert hat. Auch hier lautet die zentrale Botschaft: Der Nachholbedarf für digitale Bildungskonzepte ist überdeutlich. So nutzen zwar drei von vier Neuntklässlern zu Hause fast täglich den Computer, aber nur ein Prozent auch in der Schule. Nur jede fünfte Lehrkraft gibt an, dass ihr Studium sie auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorbereitet. Problematisch ist weiterhin das geringe Interesse an MINT-Berufen. Eine technisch-naturwissenschaftlich orientierte Ausbildung können sich lediglich 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler vorstellen. Deutschland zählt damit im weltweiten OECD-Vergleich zu den Schlusslichtern.

Zur Vorbereitung des zweiten Hamburg Transnational University Leaders Council diente die im Auftrag der Körber-Stiftung erstellte Studie »Responding to Massification: Differentiation in Postsecondary Education Worldwide« des Boston College. Sie analysierte die Trends der Hochschul- und Berufsbildungssysteme in 13 Ländern. Die Studie zeigt, dass sich der Akademisierungstrend auf der ganzen Welt fortsetzt: Mehr als 200 Millionen Menschen sind weltweit an Hochschulen immatrikuliert, mehr als je zuvor. Dies führe zu einer Expansion bestehender Einrichtungen und einem starken Anwachsen von Neugründungen, vor allem im privaten, gewinnorientierten Bereich, lautet eine Erkenntnis. Es fehle dabei aber an Steuerung. Langfristige Strategien und ein stimmiger Aufbau in globaler Perspektive gebe es nicht. Eine strategische Differenzierung der Hochschullandschaft – und damit eine klar definierte Aufgabenteilung – sei aber vonnöten, damit die verschiedenen Institutionen des postsekundaren Sektors (Hochschul- und Berufsbildung) die Anforderungen der Studierenden wie auch jene der Gesellschaft und der Wirtschaft erfüllen könnten. Philip G. Altbach vom Boston College, der die Studie geleitet hat, erklärte, es gelte die aktuelle »Phase der Anarchie« in ein kohärentes, integriertes System postsekundarer Bildungseinrichtungen guter Qualität zu überführen. 


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