Mit Geschichte Grenzen überwinden

Unser Geschichtsnetzwerk EUSTORY regt junge Europäer zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit zentralen Gegenwartsfragen der europäischen Geschichte an. Dabei fördert es den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch und die historisch-politische Meinungsbildung. In mittlerweile über 20 Ländern finden EUSTORY-Geschichtswettbewerbe statt. 2017 nahmen über 16.000 junge Menschen an den Wettbewerben teil. In den Ländern Georgien und Moldau wurden neue nationale Geschichtswettbewerbe initiiert. Viele EUSTORY-Wettbewerbe stehen unter hochrangiger Schirmherrschaft. So fanden beispielsweise im Mai die Preisverleihungen im Baltikum in Anwesenheit der estnischen Präsidentin Kerstin Kaljulaid und des lettischen Staatspräsidenten Raimonds Vējonis statt. Als neues Mitglied des EUSTORY-Netzwerks konnte Irland gewonnen werden.

Preisverleihung des russischen Geschichtswettbewerbs in Moskau (Foto: Körber-Stiftung)
Preisverleihung des russischen Geschichtswettbewerbs in Moskau (Foto: Körber-Stiftung)

Bemerkenswert ist die nach wie vor hohe Teilnehmerzahl im russischen Geschichtswettbewerb, trotz anhaltenden Drucks auf die teilnehmenden Schulen und die Menschenrechtsorganisation MEMORIAL, die den Wettbewerb seit fast 20 Jahren ausrichtet. Die Organisation wurde von der russischen Regierung inzwischen als sogenannter »ausländischer Agent« eingestuft. Im Jahr 2017 erfolgte die Preisverleihung in Moskau unter hohen Sicherheitsmaßnahmen. Anlässlich einer Russlandreise besuchte Bundespräsident Steinmeier MEMORIAL als Zeichen der Unterstützung insbesondere der historisch-politischen Arbeit der Organisation.

 

105 Preisträger europäischer Geschichtswettbewerbe nahmen am EUSTORY Summit in Berlin teil, der mit seinen Workshops wissenschaftliche, journalistische und künstlerische Zugänge zu Geschichtsthemen bot. Auf unserem History Campus hatten junge Europäer die Möglichkeit, aktuelle Fragen der Erinnerungskultur zu diskutieren und sich über Werte in Geschichte und Gegenwart auszutauschen.

 Die Gruppe der Erstpreisträger aus Rendsburg: Till Fischer, Kyra Sepke, Lea Zech und Jonna Silber (v.l.n.r.).  (Foto: David Ausserhofer)
Die Gruppe der Erstpreisträger aus Rendsburg: Till Fischer, Kyra Sepke, Lea Zech und Jonna Silber (v.l.n.r.). (Foto: David Ausserhofer)

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten in Deutschland hatte 2017 das Thema »Gott und die Welt. Religion in der Geschichte« ausgeschrieben. 5.064 Kinder und Jugendliche reichten dazu 1.639 Beiträge ein. Inhaltlich haben sich über 60 Prozent der Teilnehmer mit der Geschichte des Christentums beschäftigt. Davon nahmen knapp 100 Projekte die Reformation in den Blick. Viele Teilnehmer interessierten sich für die Konflikt- und Gewaltgeschichte von Religion. Zeitlich bildete der Nationalsozialismus einen Schwerpunkt, gefolgt von der Frühen Neuzeit.

 

Zwischen Juni und November wurden über 2.000 Teilnehmer und Tutoren des Geschichtswettbewerbs auf 15 Landespreisverleihungen ausgezeichnet. Die fünf ersten Preise, die von Bundespräsident Steinmeier im Schloss Bellevue im November verliehen wurden, gingen an Projekte zur jüdischen Erinnerungskultur, den Spuren der Türkenkriege, dem Widerstand zweier Persönlichkeiten im Nationalsozialismus und zur italienischen Familiengeschichte in der Nachkriegszeit.

 

Das Körber-Netzwerk Geschichtsvermittlung, ein Kooperationsprojekt der Körber-Stiftung mit 22 Hochschulen und Universitäten, setzte sich bei seinem jährlichen Treffen dafür ein, das forschende historische Lernen an Schulen zu stärken und bereits in der universitären Lehrerbildung fest zu verankern.


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